SAIL AWAY - unter grünen Segeln
Ein Bericht von Christian Schmidt

In den vergangenen Monaten habe ich eine weitere Art der Fortbewegung auf dem Wasser für mich entdeckt: das Segeln...
Allerdings nicht Jachtsegeln, sondern Traditionssegeln. Im November 2008 und im März dieses Jahres war ich zwei Mal auf der Bark "Alexander von Humboldt", einem Dreimaster, der wie ich aus Bremerhaven kommt. Sie ist etwa 62 Meter lang, hat etwas mehr als 1.000 Quadratmeter Segelfläche auf 25 Segel verteilt und hat eine Besatzung von bis zu 60 Personen, wozu ich dann auch gehörte. Wem "Alexander von Humboldt" als Schiff kein Begriff ist, kennt die "Alex" wahrscheinlich aus der Werbung, wo sie als "Becks-Schiff" bekannt geworden ist.
Allerdings - und das ist vielleicht gar nicht so überraschend - ist das wahre Bordleben doch etwas anders als in der Werbung. Die Bezeichnung Traditionsschiff bezieht sich in erster Linie auf den Schiffsbetrieb und nicht auf das Schiff als solches, das heißt, dass man als Mitsegler traditionelle Seemannschaft erlebt. Das bedeutet zunächst einmal, dass man als sogenannter Trainee (der keine Vorkenntnisse haben muss) in das Drei-Wach-System eingeteilt wird. Bei meinen beiden bisherigen Törns war es jeweils so, dass ich der 8-12-Wache angehörte, dass heißt, wir waren jeweils von 8 bis 12 Uhr und von 20 bis 24 Uhr die "stehende Wache" und hatten in dieser Zeit die anstehenden Aufgaben zu erledigen.
Hierzu gehören zum Beispiel das Setzen und Bergen der Segel sowie Ausguck und Ruder besetzen. Der Rudergänger - das ist etwas anderes als Steuermann - hat ausschließlich die Aufgabe, anhand eines Kompasses den vom Steuermann vorgegebenen Kurs zu steuern. Der Ausguck steht im Bug (muss also nicht "nach oben") und hält nach allem Ausschau, was für die Schiffsführung interessant sein könnte, also anderen Schiffen, Leuchttürmen oder auch Containern. Segel setzt man auf einem Traditionssegler ohne technische Hilfsmittel; dabei müssen alle "an einem Strang ziehen".
Einer der Höhepunkte - nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes - ist sicherlich das Aufentern ins Rigg. Bei meinem Atlantik-Törn im März hatten wir leider viel Gegenwind und mussten unter Motor fahren. Da die Segel nur aufgegeit (d.h. hochgezogen) worden waren, fingen sie Wind ein und bremsten das Schiff ab. Daher mussten die Segel an den Rahen (den quer stehenden Rundhölzern am Mast) festgezogen werden - und dazu muss man nun einmal nach oben. "Muss" ist allerdings der falsche Ausdruck, denn es muss keiner hoch, der nicht möchte oder es sich nicht zutraut. In über 20 Metern Höhe bei bewegter See etwa 10 bis 15 Meter hin und her geschaukelt zu werden, ist sicher nicht für jeden etwas, aber für mich war es ein unvergessliches Erlebnis.
Es gibt noch so viel zu erzählen, aber das würde den Rahmen sprengen. Wer mehr wissen möchte, kann mich gerne ansprechen oder die "Alex" im Internet besuchen (www.gruene-segel.de).