Ruder-Bundesliga…was ist das?

Ein Bericht von Jan Dehoust...
Die geschlossene Gesellschaft öffnet sich nun verstärkt der Öffentlichkeit. Bislang wurschtelten die Ruderer im Verborgenen. Nur die Ruder- Interessierten wussten, dass eine deutsche Sprintregatta gibt oder dass die Ratzeburger Regatta zu den weltbekanntesten Wettbewerben zählt. Bei den Olympischen Spielen rückten die Ruderer dann zwangsläufig in den medialen Fokus. Meistens aber nur, weil die Traditionssportart ein Medaillenlieferant bei den Weltspielen ist. Die Ruderer gelten sozusagen als ein elitärer Kreis unter sich. Das soll sich nun ändern.
Ein vermögender Hamburger Privatier gab viel Geld, um dem Rudersport ein modernes Image zu verpassen und wieder das öffentliche Interesse für die dynamische Sportart zu wecken. Dafür wurde eine eigene Firma gegründet, die nun die Ruder-Bundesliga (RBL) für Vereinsachter ins Leben rief. Das gab es bislang noch nie in Deutschland. Daher war der Deutsche Ruderverband auch sehr skeptisch über die neue Ruder-Bundesliga wo nur in der Königsklasse dem Achter gegeneinander gerudert wird. Die Streckenlänge beschränkt sich auf die zuschauerattraktive Sprintdistanz von 350m und somit ist sie nun Konkurrenz zur deutschen Sprintregatta. Auch dort starten Achter-Boote.

Fotos von der RBL: Rhein-Neckar-Achter
Eigentlich sollte die RBL eigenständig werden, doch der Ruderverband spielte da nicht mit. Nun ist die RBL im Ruderverband integriert und dies ist aus meiner Sicht der einzig sinnvolle Weg, denn die Liga sollte den ganzen Rudersport sowohl für die Vereine als auch die öffentliche Präsenz beleben. Dennoch können sich die Ruderfunktionäre offenbar nicht ganz anfreunden mit der neuen Bundesliga. Denn der Sieger der RBL-Saison darf sich nicht Deutscher Meister nennen, sondern wird als Bundesliga-Champion gekürt. Der Ruderverband sträubt sich noch dagegen, den bekannten Begriff des Deutschen Meisters freizugeben.
Diese internen Querelen haben aber den gelungenen Start der RBL nicht geschmälert. Weil sich 27 Männerachter für die RBL beworben hatten, mussten die Boote Ende April in Münster zunächst Ausscheidungsrennen fahren. Die schnellsten 16 Boote qualifizierten sich für die neue RBL, der Rest rudert zunächst in der Zweiten Bundesliga. Wie im Hockey oder Handball zählt auch bei der RBL der Aufstiegs- und Abstiegsmodus. Ziel ist es Vereins- bzw. regionale Boote zu bilden, die dann von den beteiligten Vereinen als Prestigeobjekt präsentiert werden können.
Die Bundesligasaison 2009 wird in sechs Städten ausgetragen. Beginn war in Münster darauf folgte letztes Wochenende Ratzeburg und dann wird die RBL Station in Castrop- Rauxel, Hannover, Leer und Crefeld machen. Ich wurde nach anfänglicher Skepsis davon überzeugt für den Rhein- Neckar- Achter zu starten. Eigentlich wollte ich eine längere Pause vom Rudersport einlegen, da mein Körper die letzten Jahre schon gelitten hatte, doch die Idee der RBL reizte mich und so bleibe ich dem Rudersport treu. Außerdem halte mir das Hintertürchen offen jederzeit ins Boot steigen zu können und wieder Gas zu geben.
Es waren einige organisatorische Dinge zu klären, wie Trainingsinhalte, Boot und die Suche nach Sponsoren. Wir trainieren jeden Tag konzentriert und zielgerichtet, denn eines ist klar: Genug sportliches Niveau ist in der Liga. Einige aus der Nationalmannschaft wurden gemeldet, sowie viele Olympiateilnehmer und Weltmeister.
Münster war für alle ein Überraschungspaket. Es gab 27 Männer Achter und man musste drei Time. Trials absolvieren, wovon die schnellsten zwei gewertet wurden, um sich in die erste Liga, die aus 16 Mannschaften besteht, einzureihen. In Münster bestand die Hoffnung, trotz der kurzen Trainingsphase von nur 5 Wochen, den Sprung in die erste Liga zu schaffen und qualifizierten uns als achte für die 1. RBL. Im weitern Verlauf der Regatta wurde über ein Achtel-, Viertel-, Halbfinale und Finale die Tabelle der ersten und zweiten Liga ausgefahren. Hier belegten wir den 10. Rang in der Schlusstabelle und mussten uns in unseren Finale dem deutschen Großbootmeister aus Berlin geschlagen geben. Die Stimmung in Münster war sehr beeindruckend, da sich das für die Zuschauer attraktive Achterfahren mit Schlagzahlen jenseits der 45 Schläge pro Minute bis zu 3000 Zuschauer eingefunden hatten. In den folgenden vier Wochen versuchte ich meine Erfahrungen und technische Vorstellung, die ich vom Rudern habe, der Mannschaft näher zu bringen. Wir konnten Fortschritte in der Schlagdynamik erzielen und man spürte bei jedem Training die Begeisterung für die neue Herausforderung.
Ratzeburg war die zweite Station der Bundesliga. Beim Time- Trial, der jedes RBL- Wochenende ansteht, konnten wir uns erneut als Achte einreihen. Doch in jedem Rennen war eine Steigerung zu erkennen und die geänderte Schlagdynamik brachte den Erfolg, so dass wir als Fünfte den Wettkampf abschließen konnten. Das schönste und beste Rennen war in diesem Fall der Lauf um Platz Fünf, da wir hier gegen Emscher, mit dem ehemaligen Deutschlandachter Schlagmann Bernd Heidecker, ruderten. Alle Jungs waren hier top motiviert, da viele nicht dachten in ihrer Ruderkarriere nochmal solche Kaliber von Ruderern schlagen zu können.
Die Stimmung auf der anschließenden Party war sehr ausgelassen und ganz Ruderdeutschland begoss ein gelungenes Event, das vielleicht zukunftsweißend ist. Natürlich gibt es sowohl von den Veranstaltern als auch von den verschiedenen Achtern noch eine Menge Entwicklungspotenzial, doch die Feuertaufe ist gelungen und die RBL sollte für viel Aufwind in den beteiligten Vereinen sorgen.