Gisela Friedemann - Unser Standort war Cannobio am Westufer des Lago Maggiore; dort, wo die alten Mauern und Gassen Mittelalter erahnen lassen; wo der sonntägliche Markt allwöchentlich eine Flut von Käufern anzieht, in die wir schon bei der Ankunft am Samstag Abend hineinplatzen; dort, wo das Wasser ruhiger sein soll als am Ostufer und der Kampf der Boote mit den Wellen kleiner. Vierzehn Jubiläumsreisende haben sich auf den Weg an den Lago Maggiore gemacht, um die 125 Jahre gebührend zu begehen. Besonders freuen wir uns, dass unsere ungarischen Freunde vom Tataer Ruderclub mit von der Partie sind: Gyula Fekete, der Vorsitzende des Clubs, mit seiner Frau Maria, und Laszlo Pahi mit seiner Frau Erzebet. Gyula und Laszlo sind Ruderpartner in Tata und haben sich am Lago in den Wellen kräftig ins Zeug gelegt.
Die Jubiläumsreisenden: Gyula und Maria Fekete, Laszlo und Erzsbet Pahi, Peter und Heidi Stephan, Christian Schmidt, Hans-Georg Dittrich, Klaus Prinz, Natalia und Nikita Poternak, Marianne Winkler, Gisela Friedemann, Werner Steiner.
Unsere Ferienwohnungen liegen im Eingang des Cannobina-Tals, von hier aus schlendern wir abends zum Aperitif auf die Promenade am See oder wandern durch die Gässchen auf der Suche nach einem Leckerbissen oder nach dem berühmten Altarbild von Gaudenzio Ferrari in der Wallfahrtskirche La Pietà am Ufer des Sees.
Wer vor 10 Jahren schon einmal dabei war erinnert sich an so manches romantische Ziel, das wir auch diesmal über Wasser- oder Asphaltstraßen wieder finden. Zum Beispiel die Isola Bella, die berühmteste der drei Borromäischen Inseln, auch Perle des Lago Maggiore genannt. Sie ist ein barockes Kunstwerk, von den Fürsten Borromäus im 17. Jahrhundert erbaut, der Palast, die barocken Gärten mit zehn übereinander liegenden Terrassen, prächtigen Bäumen, seltenen Pflanzen und den Steinskulpturen aus der antiken Sagen- und Mythenwelt. Die Insel sollte die Form eines Schiffes erhalten, das hier vor Anker gegangen ist und wo neben der künstlerischen und gärtnerischen Gestaltung die Zeit prachtvolle Baumriesen hat wachsen lassen.
Wir schlendern umher, Cappucino und Kuchen, weiße Pfauenfedern verstreut auf dem Rasen, ein heftiger Kampf muss vorausgegangen sein. Blau der See, blau der Himmel, immer wieder Durchblicke auf das Wasser.
Wieder gefunden haben wir auch die ehemalige Einsiedelei und das Kloster Santa Catherina del Sasso. In den senkrechten Felsen gebaut beherrscht es das südliche Ostufer des Lago. Das erste Kirchlein entstand hier im 12. Jahrhundert, im 15. Jahrhundert entwickelten sich die Wallfahrtsstätte und das Kloster der Dominikaner. Wieder gefunden haben wir die mittelalterlichen Wandmalereinen und Fresken. Über 289 steile Stufen klettern wir abwärts zum Kloster hinunter und später wieder hinauf. Nie hätte sich der Einsiedler damals gedacht, wie viele Menschen einmal per Boot und demnächst auch per Aufzug seine Wohnstätte besuchen werden.
Wir finden auch den lieblichen Ort Calde wieder, wahrscheinlich wurden seine Häuser einstmals mit den Kalksteinen des Rocca di Calde errichtet, der sich wie ein Wahrzeichen über dem Dorf erhebt. Dort saßen wir vor 10 Jahren beim fürstlichen Mahl am kleinen Hafen. Auch diesmal schlemmen wir in einem kleinen Kneipchen und entdecken anschließend am Fuße des Felsens die alten Kalköfen, stillgelegt inzwischen, inmitten von ruinösen Industriegebäuden und grüner Wildnis, die die Steine überwuchert.
Gegenüber dem Rocca di Calde liegt am Westufer der Ort Ghiffa und sein heiliger Berg, auf dem ein der Madonna geweihtes Kapellenensemble gemeinsam mit der Natur und dem Ausblick auf den See zu einem einzigartigen Ort der Schönheit, Ruhe und Besinnung wurden. Er wurde inzwischen in das Weltkulturerbe aufgenommen.
Mit Ruderboot, PKW, Flüster- und Linienbus sind wir unterwegs nach Locarno und der Wallfahrtskirche Madonna del Sasso und zu den Flusstälern und Bergen oberhalb von Locarno. Wir irren über eine nicht enden wollende Parkplatzlandschaft in Intra, nutzen auch die Gelegenheit zum shopping. Wir spazieren durch das kleine Dörfchen Cannero südlich von Cannobio, wir trinken Bier und Wein auf der Isola Madre, wir steigen auf die Burg von Angera und erkunden die Südspitze des Sees. Milano ist auch nicht weit und lockt mit seinem Dom oder doch eher mit Mode und Design.
Nicht alle haben alles gesehen. Aber der Lago Maggiore hat uns alles geboten. Er hat uns auch, ganz gegen sein Versprechen, mit Wellen gar nicht verschont. Der See ist ein Spaßvogel. Er lässt die Boote tanzen, wenn er es will, hauptsächlich morgens zeigt er sich wild und unversöhnlich. Gegen Mittag kann er schläfrig werden, so dass wieder Hoffnung aufkommt, das Ufer und das Ziel zu erreichen, aber Vorsicht, vielleicht ist es nur ein Sekundenschlaf. Am Abend dann lässt er das Wasser wie einen Spiegel glänzen und die Boote gleiten leichtfüßig dahin. Nicht immer ganz leichtfüßig kehren die Helden von ihren abenteuerlichen Fahrten nach Cannobio zurück. Denn auch sie haben sich verzaubern lassen vom Licht der Sonne, vom Rot des Weines, vom Blau des Sees, von den herrlichen Herbsttagen, die wir genießen durften.
Eine Kleine Chronologie der Rudertour:
Samstag: Anreise
Sonntag: Besuch der Isola Bella (alle)
Montag: 24 Ruderkilometer von Cannobio nach Askona und zurück Rast in Brissago,
Dienstag: 24 Ruderkilometer von Cannobio bis Intra, Rast in Intra
Mittwoch: Ruhe- und Ausflugstag; verschiedene Ziele wie oben beschrieben
Donnerstag: 20 Ruderkilometer von Intra über die Isola Madre über Baveno im Halbkreis durch die südwestliche Bucht nach Pallanza
Freitag: 20 Ruderkilometer von und bis Pallanza quer über den See, vorbei an Santa Catherina del Sasso Fröhliches Abschlussessen in typisch italienischer Kneipe
Samstag: Rückreise
125 Jahre WRC Blau-Weiß von 1883 Jubiläum am Lago Maggiore im Goldenen Oktober, es war eine wunderbare Reise.
Der letzte Aufruf:
Liebe Rudrerinnen und Ruderer,
der Herbst rückt näher und damit unsere Jubiläumsfahrt an den Lago Maggiore. Am 4. Oktober geht es los. Unsere Ferienwohnungen sind in Cannobio an der Westküste des Sees. Rudern auf dem See in verschiedene Richtungen, nach Ascona, Calde, zur Isola Madre und zu weiteren Zielen und viele Besichtigungen an Land stehen auf dem Programm. Im Anhang sende ich Euch noch einmal die Ausschreibung zu dieser Fahrt. Im Moment sind noch 4 Appartements frei, sodass Ihr Euch noch bis zum 13.09.2008 beim Festakt anmelden könnt. Am Donnerstag, dem 11.09.2008 treffen sich die Lago-Fahrer bereits zu einem Vorbereitungstreffen in unserem Restaurant Bootshaus.
Werner Steiner
Die Original-Ausschreibung:
Jubiläum am Lago Die schönsten Orte dieser Welt liegen uns im 125. Jubiläumsjahr zu Füßen
Nach Venedig und seiner Lagune und nach Hamburg mit der berühmten und traditionsreichen Außenalster ist im Oktober der Lago Maggiore das Ziel des Wormser RC Blau-Weiß von 1883. Südlich der Alpen aber noch in den Bergen hat sich der Lago Maggiore zum beliebtesten der oberitalienischen Seen entwickelt. Der See als einzigartiges Ruderrevier, die südliche Flora an seinen Ufern, die berühmten Gärten auf den borromäischen Inseln und an Land und die malerischen Städtchen am See machen den Lago Maggiore zu einem einzigartigen Urlaubs- und Wanderruderziel. Bereits einmal waren Wormser Rudrerinnen und Ruderer zu einem goldenen Oktober am Lago Maggiore und haben geschworen wiederzukommen. Nun im Jahr 2008, in unserem 125. Jubiläumsjahr ist es soweit.
Vom 4. bis zum 11. Oktober werden wir zurückkehren, diesmal mit Quartier am Westufer in Cannobio. Die Ferienwohnungen liegen in einer neuen Anlage ( www.appartamentiferrari.it ) mit Schwimmbad und Trainingsraum, die wir fast alleine für uns haben. Die Wohnungen kosten je nach Größe ( für bis zu 4 oder bis zu 6 Personen ) zwischen 455€ und 700€ die Woche. Die Stadt Cannobio bietet alles was wir brauchen, ist ideal als Ausgangspunkt für unsere Touren auf dem Wasser und an Land und besitzt die schönste Promenade am See. Rudern werden wir natürlich, vielleicht nach Ascona und Locarno, vielleicht nach Pallanza und zur Isola Madre. Auch eine Überquerung des Sees nach Calde oder Laveno ist mit dem Ruderboot bei gutem Wetter möglich. Aber auch ohne Boote werden wir Ausflüge machen, natürlich zur Isola Bella, auf den Sacro Monte von Ghiffa, vielleicht auch zum Botanischen Garten der Villa Taranto oder nach Stresa zur berühmten Seilbahn auf den Mottarone mit seinem atemberaubenden Panorama. Auch Radfahrer und Fußgänger können bei einem Stadtbummel in Verbano, bei einer Fahrt mit den Seeschiffen oder bei einem Museumsbesuch viel erleben. Das genaue Programm werden wir je nach Wetter und Laune in Cannobio gemeinsam festlegen. Natürlich treffen wir uns vor der Abreise auch noch einmal im Bootshaus um alle Details zu besprechen.
Anmelden können sich alle Mitglieder und Freunde des Wormser RC Blau-Weiß von 1883 ab sofort bei mir ( 06241 789951 oder werner.steiner@web.de ). Mit der Anmeldung wird direkt eine Anmeldegebühr von 100€ Anzahlung pro Wohnung und 20€ pro Person fällig. Allen Mitreisenden empfehle ich eine Reiserücktrittsversicherung damit im Versicherungsfall niemandem, auch dem WRC nicht, ein Schaden entsteht. Gebucht haben wir 10 Wohnungen, die sicher schnell vergriffen sind. Der Lago ruft.